Die Studie wurde von Richard Phillips, Jenaline Pyle und Ronan Palan im Auftrag von Martin Schirdewan, Mitglied im Finanz- und Währungsausschuss und im Sonderausschuss für Steuerfragen und Ko-Fraktionsvorsitzender der Linken im Europäischen Parlament, erstellt. Martin Schirdewan erklärt dazu:
„Amazon hat wohl in den vergangenen Jahren durch Steuerumschichtung und Bilanztricks weltweit so gut wie keine Steuern gezahlt. Amazon hat aus Steuervermeidung ein Geschäftsmodell erschaffen. So haben sie sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihrer Konkurrenz aufgebaut.“
„Die Studie zeigt, wie Amazon über luxemburgische Tochtergesellschaften massive Betriebsverluste aus dem Geschäft außerhalb der USA, insbesondere Indien, verzeichnet. Diese Verluste können in Steuergutschriften in den USA umgewandelt werden, so dass Amazon wenig bis überhaupt keine Steuern zahlt“.
„Amazon hat über die Jahre bis 2020 mehr Verlustvorträge angehäuft, als sie je an anfallenden Ertragssteuern zu zahlen hatte. In den vergangenen 10 Jahren hat Amazon mehr unversteuerte Gewinne erwirtschaftet, als sie an Steuern hätten zahlen müssen.“
„Amazon ist nicht das einzige schwarze Schaf. Diese Studie gibt erstmals einen wertvollen Einblick, wie akribisch Multis, insbesondere BigTech, Steuervermeidung perfektionieren. Dass das möglich ist, liegt auch am politischen Unwillen und der Unfähigkeit der Regierungen, entschieden gegen diese Steuervermeidung vorzugehen. Deswegen fordert die Linke einen weltweiten Mindeststeuersatz bei Unternehmen von 25%, um zu verhindern, dass Staaten als willfähriger Handlanger der Unternehmen, in einen schädlichen Steuerdumping-Wettstreit treten.“
„Amazon verbucht ca. 75% seiner Umsätze aus dem Geschäft außerhalb der USA im europäischen Niedrigsteuerparadies Luxemburg. Wollen wir diese Steuerungerechtigkeit konsequent bekämpfen, brauchen wir eine Digitalsteuer, in der die Umsätze dort versteuert werden, wo sie anfallen. Zusätzlich brauchen wir eine europäische Übergewinnsteuer, um die Kosten der Krise gerecht zu verteilen!“
„Alle Steuern, die Multinationale Unternehmen und BigTech nicht leisten, zahlt jemand anderes. Wir brauchen Steuergerechtigkeit jetzt. Weltweit werden Billionen für den Wiederaufbau der Wirtschaft aufgebracht. Dieses Geld muss gegenfinanziert sein, sollen am Ende nicht wieder die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Zeche zahlen.“
Es sei „mehr als erfreulich, dass das Regime Orbán demokratisch abgewählt worden ist“, erklärte Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Linken im EP. Wer Orbáns Niederlage feiert, dürfe aber nicht vergessen, „wie lange sein System politisch gefördert und gedeckt wurde – vor allem von der EVP und Manfred Weber“. Wahlsieger Magyar müsse eine andere Politik machen.
EU-Rat: Konzerne zuerst, Mensch und Umwelt zuletzt
Zum Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am 20.03.2026 erklärt Martin Schirdewan, Ko-Vorsitzender der Linksfraktion im Europaparlament:
„Der Gipfel kann zusammengefasst werden unter dem Motto: mehr Aufrüstung, mehr Abbau von Sozialstandards und mehr Pampern der Großkonzerne.
Die Energiepreise erreichen neue Höhen. Die Menschen brauchen direkte Unterstützung, um ihre Rechnungen zahlen zu können – sei es zu Hause oder mit dem Auto auf dem Land. Statt ihnen zu helfen, denkt die Kommission nur an Großkonzerne und deren Aktionäre. Wir brauchen eine europaweite Übergewinnsteuer und einen Energiepreisdeckel, um den Menschen konkret vor Ort zu helfen. Die EU sollte dieses Mal verhindern, dass sich Energiekonzerne wieder eine goldene Nase an der Not der Menschen verdienen.
Viktor Orbán führt die EU seit Monaten auf offener Bühne vor und missbraucht die Bühne für seinen Wahlkampf in Ungarn. Wenn das Schule macht, findet sich die EU in einem Zirkuszelt wieder, in dem nur noch Autokraten und rechte Spinner den Ton angeben.
Unter dem Deckmantel des sogenannten Bürokratieabbaus und der Wettbewerbsfähigkeit werden Sozialstandards weiter unter Druck gesetzt und Arbeitnehmerrechte geschwächt. Der Gipfel fordert ausdrücklich, Regeln zu ‚vereinfachen‘, Berichtspflichten zu reduzieren und bestehende Gesetze umfassend zu überprüfen – bis hin zum Streichen von Vorschriften. Gleichzeitig sollen neue Gesetze stärker auf Wettbewerbsfähigkeit und geringere Kosten für Unternehmen ausgerichtet werden. Was nach Entlastung klingen soll, bedeutet in der Praxis jedoch weniger Schutz für Beschäftigte, Verbraucher und Umwelt. Damit werden wieder die bezahlen müssen, die von der EU geschützt werden sollten.“